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Die sektorenübergreifende Qualitätsmanagement-Richtlinie des G-BA – was ist neu?

Am 17.12.2015 hat der G-BA den Beschluss für die Erstfassung einer sektorenübergreifenden Qualitätsmanagement-Richtlinie vorgelegt, die die grundsätzlichen Anforderungen an ein einrichtungsinternes Qualitätsmanagement in Praxen und Kliniken einheitlich regeln soll.

Die Inhalte der bisherigen Richtlinien sind weiterentwickelt und ergänzt worden. Qualitätsmanagement wird erneut als ein Instrument der Organisationsentwicklung bezeichnet, die insbesondere die Verbesserung von Abläufen und damit auch die Ergebnisse von Einrichtungen beeinflussen soll. Die Methoden und Instrumente werden in § 4 der Richtlinie in Stichpunkten aufgeführt und bestimmen für das Risikomanagement, dass unter Berücksichtigung der Patienten- und Mitarbeiterperspektive alle Risiken in der Versorgung identifiziert und analysiert werden sollen. Dabei sollen die Informationen aus den jeweils implementierten Qualitätsmanagement-Instrumenten ausgewertet und genutzt werden. Eine individuelle Risikostrategie soll das systematische Erkennen, Bewerten, Bewältigen und Überwachen von Risiken umfassen. In ihren Qualitätsberichten nach § 137 Abs. 3 Nr. 4 SGB V sollen Krankenhäuser über den jeweiligen Stand der Umsetzung und Weiterentwicklung des einrichtungsinternen Qualitätsmanagements berichten.

Im Teil B der Richtlinie werden die Rahmenbestimmungen für die stationäre Versorgung dahingehend konkretisiert, dass Qualitäts- und klinisches Risikomanagement von der Führungsebene verantwortet werden und insoweit ein übergeordnetes zentrales, berufsgruppenübergreifendes Gremium mit einer engen Anbindung an die Krankenhausleitung eingerichtet werden soll. Dieses hat die aufbau- und ablauforganisatorischen Rahmenbedingungen zu schaffen, die an den speziellen Verhältnissen vor Ort auszurichten sind. Die Instrumente des klinischen Risikomanagements werden beispielhaft aufgeführt.

Die Verpflichtung zur Ausgestaltung eines Risikomanagementsystems in Krankenhäusern steht damit nicht mehr zur Diskussion. Indem der G-BA nunmehr auch die wesentlichen Instrumente benannt hat, die innerhalb eines Risikomanagementsystems umzusetzen sind, ist ergänzend die Frage beantwortet, wie diese Verpflichtung zukünftig umzusetzen ist und welche Mindeststandards einzuhalten sind.
Mit der überarbeiteten Qualitätsmanagement-Richtlinie ordnet der G-BA das klinische Risikomanagement auch weiterhin dem Bereich des Qualitätsmanagements zu. Es steht jedoch fest, dass dieser Verantwortungsbereich innerhalb des Krankenhauses von einem allgemeinen Funktionsbereich zu einer Managementaufgabe geworden ist, die originär der Krankenhausleitung obliegt und dort über eine gesonderte (Stabs-)Stelle bzw. ein gesondertes Gremium in systematischer und nachhaltiger Weise umzusetzen sowie prozessbegleitend zu dokumentieren ist.

Fazit:
Die beschlossene Erstfassung für eine einheitliche QM-Richtlinie bringt im Hinblick auf die bekannte Bedeutung von klininischem Risikomanagement und die in der Umsetzung zu berücksichtigenden Mindeststandards keine grundlegenden Neuerungen mit sich. Die ergänzend aufgenommenen Elemente konkretisieren die Anforderungen und Inhalte bei der Implementierung eines Risikomanagementsystems.

Die Vorgaben zu den aufbau- und ablauforganisatorischen Rahmenbedingungen sowie die konkrete Formulierung, Doppelstrukturen in Qualitäts- und Risikomanagement zu vermeiden, machen aber erneut -und zunehmend- deutlich, dass das Thema Risikomanagement in Krankenhäusern allgemein und nicht nur in der Fokussierung auf den medizinisch-pflegerischen Bereich umzusetzen ist; denn durch eine Risikoanalyse anhand der empfohlenen Risikoinstrumente können nicht nur klinische, sondern eine Vielzahl von allgemeinen, betriebswirtschaftlichen und Betriebsquerschnittrisiken zusätzlich erkannt und beurteilt werden.
Mit dieser Zielsetzung ist Risikomanagement in einen neu geschaffenen und eigenständig operierenden Verantwortungsbereich mit unmittelbarer Anbindung an die Klinikleitung zu überführen.

Eine klinikspezifische Risikobewältigung wird dadurch ebenso möglich wie ein kakulierbarer Risikotransfer auf andere Unternehmen. Die Betriebshaftpflichtversicherung wird damit langfristig zu einem Bestandteil des Risikomanagements – und nicht umgekehrt.

Pressemitteilung des G-BA v. 17.12.2015, abrufbar unter
https://www.g-ba.de/institution/presse/pressemitteilungen/596/