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Klinisches Risikomanagement in der Verantwortung der Internen Revision? Ja.

Das Klinische Risikomanagement wird aufgrund der Verankerung in den QM-Richtlinien des Gemeinsamen Bundesausschusses aus dem Jahr 2014 (KQM und ÄQM) immer noch als Ergänzung des allgemeinen Qualitätsmanagements angesehen. Tatsächlich ergibt sich aber bereits aus § 5 der KQM-Richtlinie, dass die Festlegung einer geeigneten Risikostrategie ebenso Führungsaufgabe ist, wie die strukturierte Einführung eines Risikomanagementsystems. Dafür braucht es eine weitgehend unabhängige Instanz mit unmittelbarer Anbindung an die Klinikleitung.

Die Krankenhausleitung hat nach den Vorgaben der KQM-Richtlinie Verantwortliche für Etablierung, Koordination und Steuerung des klinischen Risikomanagements zu benennen, Rahmenbedingungen zu schaffen und Doppelstrukturen von Qualitäts- und Risikomanagement möglichst zu vermeiden. Damit steht bereits fest, dass der bzw. die „klassische“ QM-Beauftragte für diese Aufgabe nicht geeignet ist. Vielmehr braucht es unter verständiger Leitung eine eigenständige Struktur, in der die vorgegebene Strategie in ein Risikomanagementsystem überführt wird. Ein solches System soll nach allgemein übereinstimmender Meinung in eine Sicherheitskultur münden und im Mitarbeiterbewusstsein verankert werden. Eine solche Maßnahme betrifft das Unternehmen als Ganzes.

Die Interne Revision übernimmt bereits die Umsetzung von Kontroll-, Steuerungs- und Lenkungsaufgaben mit dem Ziel einer kontinuierlichen Verbesserung der Geschäftsprozesse. Dazu gehört u.a. in einem systematischen Ansatz die Bewertung und Verbesserung von Risikomanagement. Es bietet sich folglich an, das klinische Risikomanagement zunächst in den Kontext eines allgemeinen Risikomanagementsystems zu stellen, um es sodann in der Verantwortung dieser internen Stabsstelle im Krankenhaus zu implementieren. Auf diese Weise kann auch die notwendige Akzeptanz sowohl bei der Klinikleitung, als auch dem ärztlichen Personal bewirkt werden.

Fazit:
Eine moderne Interne Revision stellt sich heute als interne Stabsfunktion der Unternehmensleitung dar. Sie erbringt unabhängige und objektive Prüfungsleistungen, die sich u.a. auf die internen Steuerungs-, Überwachungs- und Kontrollsysteme beziehen. Das betrifft insbesondere auch ein Risikomanagementsystem sowie dessen Einführung und die fortlaufende Überprüfung der Wirksamkeit desselben.

Ein modernes Risikomanagement betrachtet klinische ebenso wie betriebswirtschaftliche Risiken, insbesondere wenn diese in einem wechselseitigen Zusammenhang stehen. Spätestens die Prämienentwicklung in den Heilwesen-Haftpflichtversicherungen stellt diesen Kontext her. Und auch die Vorgaben für Versicherungsunternehmen durch Solvency II werden die Krankenhäuser als Kunden dieser Versicherer mittelfristig erreichen. Das haftungsrechtliche Risikomanagement bildet spätestens dann die Schnittstelle und begründet den ganzheitlichen Ansatz des internen Risikomanagementsystems.

Zu der wachsenden Bedeutung sowie zunehmenden Aufgabenvielfalt der Innenrevision in deutschen Kliniken vgl. Tanski (Hrsg.), Interne Revision im Krankenhaus, 2. Auflage, Berlin 2015.