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Medizintechnik und Beschaffung als relevante Inhalte von Risikomanagement

Entscheidungen im Bereich Beschaffung/ Einkauf haben nach einheitlich festgelegten Kriterien zu erfolgen, die durch die Klinikleitung in einer internen Beschaffungsordnung zu definieren und vorzugegeben sind. Das ärztliche sowie das Pflegepersonal sind in den Beschaffungsprozess mit einzubeziehen, was insbesondere dann gilt, wenn die Umstellung auf neue Medizinprodukte beabsichtigt ist.

Das im Jahr 2005 gegründete Aktionsbündnis Patientensicherheit e.V. (APS) erarbeitet mit den in unterschiedlichen Arbeitsgruppen engagierten Vertretern aus Gesundheitsberufen und -institutionen sowie Patientenorganisationen konkrete Handlungsempfehlungen mit dem Ziel, die Patientensicherheit in der medizinischen Versorgung zu verbessern. In der UAG „Beschaffung“, die der AG „Medizinprodukt-assoziierte Risiken“ angehört, steht im Mittelpunkt der aktuellen Betrachtungen die Prävention von Risiken, die insbesondere von Medizinprodukten ausgehen.

Die systematische Auswertung von Beobachtungen und Analysen hat gezeigt, dass z.B. Schulungen des Personals im Umgang mit neuen Medizinprodukten unterbleiben, die Qualität von Einmal-Produkten mangelhaft ist oder Systemkomponenten nicht zusammenpassen. Solange die Mängel außerhalb der ärztlichen Patientenversorgung bemerkt werden, können diese beseitigt werden, ohne dass sie ein konkretes Risiko darstellen. Problematisch wird es hingegen, wenn derartige Erkenntnisse erst während eines operativen Eingriffs festgestellt werden, z.B. wenn die vorhandenen Systeme einer Thoraxdrainage für das OP-Personal neu, die Umstellung nicht bekannt und eine Einweisung in die Bedienung der neuen Systeme nicht vollzogen worden sind oder wenn aufgrund mangelnder Qualität von Einmal-Produkten Systemkomponenten nicht zusammenpassen, so dass eine ordnungsgemäße Intubation nicht möglich ist.

Hier stehen sich Patientensicherheit einerseits und der erhebliche Kostendruck für die Kliniken andereseits gegenüber. Letzterer wird zusätzlich beeinflusst durch das Wirtschaftlichkeitsgebot des § 12 SGB V (vgl. in diesem Zusammenhang die Entscheidung des BSG vom 10.03.15, Az. B 1 KR 2.15R zu der Verabreichung von Apherese- an Stelle von gepoolten Throbozytenkonzentraten). Die in diesem Zusammenhang vorgelegten Studien zu den praktischen Wechselwirkungen von Produktqualität und Kosteneinsparungen belegen aber, dass eine Umstellung auf Billig-Produkte nicht automatisch zu Kosteneinsparungen führt. Gegenüber den Kostenträgern müssen die qualitativ bedingten Mehrausgaben ggf. gesondert begründet und nachgewiesen werden, auch mit dem Hinweis auf die Qualität der Versorgung und die damit verbundene Patientensicherheit.

Fazit:

Patientensicherheit und Produktqualität hängen unmittelbar zusammen. Kosteneinsparungen dürfen nicht dazu führen, dass die Sicherheit von Patienten in der medizinischen Versorgung eingeschränkt wird. Klinisches Risikomanagement findet in den Bereichen Medizintechnik und Beschaffung einen wichtigen Schwerpunkt.